Kurzübersicht
- Neurotransmitter sind biochemische Botenstoffe, die Informationen an den Synapsen zwischen Neuronen übertragen.
- Sie steuern Aufmerksamkeit, Motivation, Stimmung, Gedächtnis und Impulskontrolle.
- Ein Mangel an Dopamin und Noradrenalin ist eng mit den Kernsymptomen von ADHS (Konzentrationsprobleme, Ablenkbarkeit) verbunden.
- Serotonin spielt eine wichtige Rolle bei der Impulsivität und der Regulierung von Verhalten bei hyperaktiven Formen.
- Die Neurotransmitter-Dysregulation ist ein wichtiger, oft übersehener Baustein im Problempuzzle ADHS, der durch Ernährung und Nahrungsergänzung beeinflusst werden kann.
Inhalt
Was sind Neurotransmitter?
Neurotransmitter sind die chemischen Kuriere des Nervensystems. Sie werden in den Nervenzellen gebildet, in Synapsen gespeichert und bei einem elektrischen Impuls (Aktionspotenzial) freigesetzt. Ihre Hauptfunktion ist die Informationsweitergabe von einem Neuron zum nächsten. Je nach Art des Rezeptors auf der Empfängerzelle bewirken sie entweder eine hemmende (beruhigende) oder eine aktivierende (erregende) Reaktion. Nach der Ausschüttung werden sie entweder deaktiviert, abgebaut oder zur Wiederverwendung gespeichert. Dieses komplexe System der Informationsvermittlung ist die Grundlage für alle Gehirnfunktionen.
Die wichtigsten Neurotransmitter und ihre Funktionen
- Dopamin: Motivation, Belohnung, Gedächtnis, Bewegungssteuerung. Mangel führt zu Konzentrations- und Motivationsproblemen.
- Noradrenalin: Aufmerksamkeit, Wachheit, Motivation, Stressregulation. Mangel beeinträchtigt die Filterung von Reizen und die Konzentration.
- Serotonin: Stimmung, Impulsivität, Schlaf, Appetit. Mangel hängt mit Hyperaktivität und Impulskontrollproblemen zusammen.
- GABA: Wichtigster hemmender Neurotransmitter, Beruhigung. Dysfunktion kann zu innerer Unruhe und Angst beitragen.
- Glutamat: Wichtigster erregender Neurotransmitter, Lernen, Gedächtnis. Ungleichgewicht beeinflusst die kognitive Flexibilität.
- Acetylcholin: Kognition, Lernen, Gedächtnis, Muskelsteuerung. Mangel beeinträchtigt Konzentration und motorische Fähigkeiten.
Neurotransmitter-Mangel bei AD(H)S
Der Zusammenhang zwischen Neurotransmittern und AD(H)S ist wissenschaftlich gut belegt. Die Kernsymptome der Störung sind Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität und Impulsivität und werden auf eine Fehlregulation der Botenstoffe im präfrontalen Kortex zurückgeführt. Hierbei steht insbesondere ein Mangel an Dopamin und Noradrenalin im Fokus der Forschung. Dieser Mangel führt dazu, dass die Reizfilterung und die Hemmung von Reaktionen nicht optimal funktionieren. Konzentrationsschwierigkeiten und hohe Ablenkbarkeit sind die Folgen.
Dopamin und Noradrenalin: Die Schlüssel zu Aufmerksamkeit und Motivation
Dopamin ist der Neurotransmitter für die Motivation. Ein Mangel an Dopamin im Gehirn von AD(H)S-Betroffenen führt zu einer verminderten Belohnungsverarbeitung und damit zu Problemen, sich für Aufgaben zu motivieren, die keine sofortige Befriedigung bieten. Noradrenalin ist eng mit der Aufmerksamkeit und der Wachheit verbunden. Ein Ungleichgewicht dieses Botenstoffs beeinträchtigt die Fähigkeit des Gehirns, unwichtige Reize zu filtern und die Konzentration auf eine Aufgabe aufrechtzuerhalten. Die gängigen AD(H)S-Medikamente (Stimulanzien) zielen genau darauf ab, die Verfügbarkeit dieser beiden Katecholamine zu erhöhen.
Serotonin und Acetylcholin: Impulskontrolle und kognitive Leistung
Neurotransmitter als Boten für den gesamten Körper
Die Funktion von Neurotransmittern beschränkt sich nicht nur auf das Gehirn. Sie sind Botenstoffe für den gesamten Körper und beeinflussen auch Prozesse wie die Hormonbildung, die Schmerzverarbeitung, die Muskelaktivität und die Blutgefässe. Sie sind für unsere Stimmung, unser Lernen, unsere Motivation, unser Gedächtnis und unsere Aufmerksamkeit zuständig. Eine Neurotransmitter-Fehlregulation hat somit Auswirkungen auf die mentale und körperliche Gesundheit.
Therapeutische Implikationen: Ernährung und Nahrungsergänzung
Obwohl die Beeinflussung der Neurotransmitter nicht die alleinige AD(H)S-Lösung darstellt, ist sie ein wichtiger Baustein im multimodalen Therapieansatz. Die Neurotransmitter-Synthese ist von der Verfügbarkeit spezifischer Aminosäuren und Mikronährstoffe abhängig. Daher kann die Ernährung bzw. eine gezielte Nahrungsergänzung einen positiven Einfluss auf das Neurotransmitter-Gleichgewicht nehmen und so zur Linderung der Symptome beitragen.






