Schlechter schlafen mit ADHS?

Als wäre die Diagnose ADHS oder ADS nicht schon herausfordernd genug, treten häufig weitere Begleiterkrankungen auf, sogenannte Komorbiditäten. Diese zusätzlichen Symptome können den Alltag nicht nur tagsüber erschweren, sondern sich auch nachts bemerkbar machen, z. B. in Form von Schlafstörungen. Und genau hier beginnt ein Teufelskreis: Schlafmangel verstärkt die ADHS-Symptomatik, die wiederum den Schlaf beeinträchtigt.

Kurzübersicht

  • Kinder mit ADHS oder ADS leiden überdurchschnittlich häufig unter Schlafproblemen.
  • Studien zeigen: Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Albträume und unruhiger Schlaf sind typische Begleiter.
  • Schlafmangel verschlechtert Konzentration, Stimmung, Impulskontrolle und verstärkt die Symptome von ADHS.
  • Eine gezielte Schlafhygiene kann helfen, den nächtlichen Kreislauf aus Unruhe und Überreizung zu durchbrechen.


​​Komorbiditäten bei ADHS – Wenn ein Symptom selten allein kommt

ADHS ist selten ein Einzelgänger. Neben den typischen Hauptsymptomen wie Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität und Hyperaktivität, treten häufig weitere Störungen auf. Dazu zählen Angststörungen, Depressionen, Lernschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Zwangsstörungen, Essstörungen und emotionale Instabilität. Diese sogenannten Komorbiditäten entstehen nicht zufällig. Neurowissenschaftler gehen heute davon aus, dass sich die Grunderkrankung und ihre Begleiter gegenseitig verstärken können. Ein Hinweis darauf, dass das neuronale Gleichgewicht im Gehirn wesentlich komplexer ist, als lange angenommen
.


​​​​​​​​Warum Schlafprobleme häufig Teil des ADHS-Spektrums sind

Schlafstörungen sind eines der am wenigsten beachteten, aber häufigsten Begleitsymptome von ADHS. Viele Kinder (und auch Erwachsene) mit ADHS haben Schwierigkeiten: einzuschlafen, durchzuschlafen, oder erleben unruhige, von Alpträumen unterbrochene Nächte. Die Ursachen liegen meist in einer Überaktivierung des Nervensystems und einer gestörten Hemisphärenintegration. Das Gehirn bleibt buchstäblich „hellwach“, weil die neuronalen Netzwerke nicht in den Ruhemodus schalten können. Ein Teufelskreis entsteht: Zu wenig Schlaf verschlechtert die Aufmerksamkeit und Reizfilterung. Was tagsüber wiederum zu Überforderung, Gereiztheit und Konzentrationsproblemen führt.

​Wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Tübinger Studie

Eine Studie der Universität Tübingen (Grünwald & Schlarb, 2017) untersuchte 72 Kinder mit ADHS und fand heraus, dass diese deutlich häufiger unter Schlaflosigkeit und Albträumen litten als ihre Altersgenossen. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass gezielte Strategien für Schlafhygiene einen wichtigen Bestandteil der Behandlung darstellen sollten, um das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu verbessern
.

​​​​​​​7 Tipps für gesunden Schlaf und mehr Gehirngleichgewicht

  • Stille: Das Schlafzimmer sollte ruhig sein. Bei Lärm Fenster schließen oder Ohrstöpsel nutzen.
  • Dunkelheit: Ein vollständig abgedunkelter Raum fördert die Melatoninproduktion.
  • Raumklima: Lieber kühl (16–18 °C) schlafen und regelmäßig lüften.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert gesunden Schlaf, intensives Training kurz vor dem Zubettgehen vermeiden.
  • Regelmäßigkeit: Feste Schlaf- und Aufstehzeiten helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
  • Kein Bildschirmlicht: Blaulicht von Handy, Tablet und Fernseher stört die Hormonbalance und das Einschlafen.
  • Rituale: Abendliche Routinen wie Lesen, Musik hören, Kräutertee oder Atemübungen beruhigen Geist und Körper.

Diese einfachen Maßnahmen unterstützen nicht nur die Schlafqualität, sondern fördern auch die Regeneration des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit.

​​​​​​Fazit: Erholsamer Schlaf als Basis für Konzentration und Balance

Guter Schlaf ist kein Luxus, sondern eine notwendige Grundlage für Lernfähigkeit, Konzentration und emotionale Stabilität – besonders bei ADHS. Ein gezieltes Zusammenspiel aus Schlafhygiene, Gehirntraining und Hemisphärenintegration kann helfen, die nächtliche Ruhe zu fördern und tagsüber die Leistungsfähigkeit zu steigern. Denn nur ein ausgeruhtes, synchron arbeitendes Gehirn ist in der Lage, die Welt mit Klarheit, Ruhe und Freude wahrzunehmen.

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