Bestätigt: Mehr Aufmerksamkeit und Konzentration durch Hemisphärenintegration

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt eindrucksvoll, wie gezieltes Gehirntraining die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS, Lernstörungen oder Entwicklungsverzögerungen fördern kann. Durch ein strukturiertes sensomotorisches Trainingsprogramm wurden messbare Verbesserungen in Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planung und Exekutivfunktionen festgestellt – unabhängig von Alter oder Geschlecht.


Kurzübersicht

  • 2021 veröffentlichte Studie im Journal of Advances in Medicine and Medical Research
  • 478 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 18 Jahren nahmen teil
  • Durchführung eines dreimonatigen, multimodalen Hemisphärenprogramms („Brain Balance“)
  • Trainingseinheiten: 3-mal pro Woche, je 60 Minuten
  • Schwerpunkte: sensorische Stimulation, motorische Koordination, Timing, visuelle und auditive Verarbeitung
  • Ergebnis: signifikante Verbesserungen in Gedächtnis, Aufmerksamkeit, verbalen Fähigkeiten und Exekutivfunktionen


​Hintergrund und Ziel der Studie

Kinder und Jugendliche mit ADHS, Lernstörungen oder anderen Entwicklungsproblemen zeigen häufig Defizite in Bereichen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, motorischer Koordination und emotionaler Regulation. Wissenschaftler vermuten, dass diese Schwierigkeiten auf eine unausgeglichene Kommunikation zwischen den Gehirnhälften zurückzuführen sind: ein sogenanntes Hemisphärenungleichgewicht. Ziel der Studie von Jackson und Wild (2021) war es, zu überprüfen, ob ein integratives, sensomotorisches Hemisphärenprogramm die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann, indem es die neuronale Kommunikation und Balance zwischen rechter und linker Gehirnhälfte stärkt
.


​​​​​​​Aufbau und Methodik des Trainingsprogramms

An der Studie nahmen 478 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 18 Jahren teil. Alle litten unter unterschiedlichen kognitiven oder Aufmerksamkeitsstörungen. Das Programm erstreckte sich über drei Monate mit drei einstündigen Trainingseinheiten pro Woche.

Das Training umfasste gezielte Übungen aus den Bereichen:
  • Sensorische Stimulation (z. B. taktile Reize, Gleichgewichtsübungen)
  • Körperkraft und Koordination (z. B. Bewegungsübungen zur Körperwahrnehmung und Motorik)
  • Timing und Rhythmusübungen zur Verbesserung neuronaler Synchronisation
  • Augenkoordination und visuelle Verarbeitung
  • Auditive Verarbeitung und Reaktionsgeschwindigkeit

Diese Übungen zielten darauf ab, die Hemisphärenintegration zu fördern, also die Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften zu synchronisieren – eine Schlüsselkomponente für Lernfähigkeit und Konzentration.

​Kognitive Testverfahren und Auswertung

Zur Messung der Fortschritte wurde die wissenschaftlich validierte Plattform Cambridge Brain Sciences (CBS) eingesetzt. Die Teilnehmer absolvierten verschiedene Aufgaben, die zentrale kognitive Fähigkeiten überprüften, darunter:
  • Kurzzeitgedächtnis
  • Visuospatiales Arbeitsgedächtnis (räumliches Denken)
  • Episodisches Gedächtnis
  • Deduktives Denken
  • Mentale Rotation
  • Aufmerksamkeitskontrolle
  • Planung und Exekutivfunktionen
  • Verbale Argumentation
  • Kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit

Eine Kontrollgruppe mit ähnlichen Merkmalen nahm zwar am Programm teil, jedoch nur über einen Zeitraum von durchschnittlich 27 Tagen, um den Effekt der Trainingsdauer zu vergleichen.


​​​​​​​Ergebnisse und Verbesserungen der Teilnehmer

Die Ergebnisse waren deutlich: Kinder und Jugendliche, die das dreimonatige Programm vollständig absolvierten, zeigten signifikante Verbesserungen in allen getesteten kognitiven Bereichen – unabhängig von Alter oder Geschlecht.

  • Kinder im Alter von 4–6 Jahren verbesserten sich vor allem in Aufmerksamkeit und Konzentration.
  • Kinder über 7 Jahre zeigten deutliche Fortschritte in Planungsfähigkeit, Exekutivfunktionen und logischem Denken.
  • Auch Gedächtnis, visuelle und auditive Verarbeitung sowie verbale Fertigkeiten nahmen signifikant zu.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sensomotorisches Training über neuronale Plastizität wirkt: Bewegung, sensorische Reize und gezielte Aufgaben regen das Gehirn an, neue Verbindungen zu schaffen und bestehende zu stärken. Ein Prinzip, das insbesondere für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und ADHS von zentraler Bedeutung ist.

​​​​Bedeutung für Kinder mit ADHS und Lernschwierigkeiten

Das Training fördert nicht nur kognitive Leistungen, sondern auch emotionale Selbstregulation, Aufmerksamkeitskontrolle und Lernmotivation. Genau die Bereiche, die bei ADHS-betroffenen Kindern häufig beeinträchtigt sind. Durch die Kombination aus sensorischer Stimulation, Bewegung und gezieltem Gehirntraining gelingt es, die neuronale Balance zu verbessern und so die Basisfunktionen für Lernen, Verhalten und Konzentration nachhaltig zu stärken. Diese Studie liefert damit einen weiteren wissenschaftlichen Beleg für den positiven Einfluss multimodaler Hemisphärenprogramme auf die kindliche Gehirnentwicklung und Lernförderung.

​Fazit: Hemisphärentraining als wirksames Werkzeug für Lernförderung und Neurobalance

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich: Gezieltes sensomotorisches Training ist ein wirksamer Weg, um kognitive Defizite bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS, Lern- und Entwicklungsstörungen zu verringern. Durch Bewegung, sensorische Integration und neuronale Synchronisation wird die Hemisphärenbalance gefördert – was wiederum Konzentration, Gedächtnis, Planungsfähigkeit und emotionale Regulation verbessert. Damit bestätigt die Forschung, dass Programme wie Brain Balance einen wertvollen Beitrag zur modernen Lernförderung leisten können, indem sie das Gehirn nicht nur fordern, sondern es gezielt dazu anregen, besser zu funktionieren, zu vernetzen und zu wachsen.

Quelle: Jackson, R. & Wild, A. (2021). Effects of a Hemispheric-Based Training Program on Cognitive Performance in Children and Adolescents with Developmental and Attention Disorders. Journal of Advances in Medicine and Medical Research, 33(6), 27–41
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